Briefkastenanlage und Ihre Geschichte

Briefkastenanlage - Wie entstand der Briefkasten?
Wir gehen heutzutage einfach zum Briefkasten und finden dort unsere Briefe täglich vor. Sie kommen inzwischen problemlos aus aller Welt. In Deutschland werden sie uns zumeist innerhalb weniger Stunden bis Tage zugestellt. So einfach das Postwesen sich für uns heute darstellt, war es nicht immer. Die Geschichte des ersten Briefkastens bis zur heutigen modernen Briefkastenanlage und des damit verbundenen Postwesens ist überaus interessant.

Antiker Briefkasten und Seemannskommunikation

Bereits in der Antike sollen Sammelbehälter aufgestellt worden sein, in die die Menschen ihre Post legen konnten. Ein Bote soll sie dann abgeholt und beim Empfänger zugestellt haben. Leider sind aus dieser Zeit keine Relikte mehr übrig, die dies beweisen. Diese Legende stammt nur aus Überlieferungen. Lange Jahrhunderte war die Zustellung des Schriftverkehrs nur mittels eines Boten vom Absender zum Empfänger möglich. Und damit nur für Privilegierte bezahlbar, zumeist Adelige.

In der Schifffahrt entwickelten die Seeleute Ende des 15. Jahrhunderts ein eigenes System. Der Handel zwischen Europa und Indien blühte. Die Reise ging immer um das Kap der Guten Hoffnung herum. 140 Kilometer nördlich von Kapstadt in der Bucht von Saldanha unterbrachen die Schiffe ihre lange Reise. Die Seeleute schrieben dort Nachrichten nach Hause. Sie wickelten diese in regenfeste Leinwandtücher und deponierten sie in einem ausgehöhlten Stein. Die Seeleute, die in die andere Richtung führen und dort haltmachten, nahmen die Briefe mit nach Europa. Das dürfte einer der ersten Briefkästen, der dauerhaft in Betrieb gewesen ist, gewesen sein. Die Schifffahrtsgesellschaften professionalisierten das System im Laufe der Zeit. Verschiedene Poststeine wurden Schiffen oder Gesellschaften zugeordnet. Die Kapitäne wurden in die Pflicht genommen, diese Poststeine auf ihren Routen immer zu kontrollieren. Das System wurde auch später für andere Routen übernommen.

Mittelalterliche Kirchenbriefkästen und Briefkastenanlagen

Im Mittelalter begann das Postwesen langsam Einzug zu halten. Nicht wie wir es heute kennen, sondern noch sehr verhalten. Die wenigsten Menschen konnten schreiben. Schreiber waren zumeist etwas für den Adel. Diese Nachrichten wurden noch per Boten überbracht. An öffentlichen Institutionen traten vereinzelt bereits Briefkästen auf. Am Rathaus von Brügge gibt es einen gemauerten Hausbriefkasten aus dem 14. Jahrhundert.

In Italien gab es die ersten Briefkästen für Familien und die römisch-katholische Kirche. Florenz begann an den Kirchen Holzkästen aufzustellen, die Tamburi genannt wurden. Sie dienten zur Kommunikation zwischen der Gemeinde und den Geistlichen. Auch anonyme Hinweise an die Regenten über Bedrohungen konnten dort abgegeben werden. Boten brachten Nachrichten auch nicht mehr direkt vom Absender zum Empfänger. Sie entwickelten ein Staffelsystem. Jeder Bote ritt nur noch eine bestimmte Distanz und übergab die Nachricht an einen Boten, der eine andere Strecke zurücklegte.

Poststationen und Boten: Erstes Postwesen auch für Normalbürger

Die Poststationen etablierten sich im 16. Jahrhundert nach dem italienischen Staffelsystem. Die Boten ritten von Poststation zu Poststation und nicht mehr die ganze Strecke. Sie nahmen die gesamte Post von dort mit. Dadurch wurden die Boten für den Einzelnen erheblich günstiger. Nicht nur die Adeligen und Reichen konnten Nachrichten übermitteln, sondern auch die Mittelschicht.

Der erste dokumentierte Beweis für die Existenz eines Briefkastens stammt aus dem Jahr 1633. In der niederschlesischen Stadt Liegnitz soll er gestanden haben. Es gab zu der Zeit eine Postverbindung zwischen der Stadt Leipzig und Breslau in Polen, die 325 Kilometer lang war. Es gab einige Poststationen auf dem Weg. Liegnitz lag direkt auf der Strecke. Daher nutzten die Liegnitzer das aus und stellten einen Briefkasten auf, aus dem die Post mitgenommen wurde.

1641 wurden in Hamburg 13 hölzerne Briefkästen im Posthaus aufgehängt. Sie hatten runde Einwurföffnungen. Jeder Postkasten hatte einen Stadtnamen darauf, der das Ziel darstellte. Das war die erste dokumentierte Postsortierungsanlage beziehungsweise Briefkastenanlage.

Frankreichs Briefkästen zu Zeiten des Sonnenkönigs

Frankreich hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Postwesens. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. genehmigte ein System der postalischen Kommunikation in Verbindung mit installierten Briefkästen. Jean-Jacques Renouard de Villayer war der Pächter der Pariser Stadtpost und hatte das Konzept ausgearbeitet. Das "billets de portpayé" führte er ein Jahr später ein. Es war ein Quittungssystem, das dem Absender die Bezahlung im Voraus ermöglichte. Es waren Quittungsstreifen ohne Motiv, die gut sichtbar auf dem Brief angebracht wurden. Zuvor hatten nur die Empfänger bezahlt, sodass die Boten gezwungen waren, immer persönlich zuzustellen, um ihren Lohn zu bekommen. Mit der Ersteinführung des Portosystems war es nicht mehr wichtig, den Empfänger persönlich anzutreffen. Briefkästen wurden zum Empfang erstmals 1653 in Paris installiert und gewannen im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung.

18. Jahrhundert: Briefkästen auf dem Vormarsch nach Deutschland

Von 1792 bis 1815 waren ein großer Teil Europas und fast der ganze deutsche Sprachraum durch die Franzosen besetzt oder unter französischem Einfluss. Napoleon brachte die französischen Hausbriefkästen zunächst nur ins Rheinland. Preußen mochte diese französischen Einflüsse nicht. Es dauerte einige Jahre, bis Preußen sich bereit erklärte, die Vorteile des französischen Postsystems zu erkennen. Nach der Rückeroberung des Rheinlandes durch Preußen kam das Postsystem in andere Gebiete des Reiches.

Erst 1824 gab es einen Erlass des Königs Friedrich Wilhelm II. zur Einführung der Briefkästen. Diese Briefkästen waren einfach gefertigt. Aus Holz gebaut und weiß gestrichen. Die Öffnung zur Postentnahme befand sich noch am Boden. Es gab sie in zwei verschiedenen Größen. Diese preußischen Briefkästen wurden an in größeren Städten an öffentlichen, gut zugänglichen Stellen montiert. In allen kleineren Orten auch im Flur des Posthauses. In kleinen Ortschaften dienten die Postkästen der Bequemlichkeit der Beamten, wie es auf Amtsdeutsch hieß. Mit dieser Begründung brachte man die nicht städtischen Postbeamten dazu, den Briefkasten aus eigener Tasche zu bezahlen.

Auf der Vorderseite der Briefkästen waren "Verhaltungs-Regeln" angebracht worden. Den Postkunden wurde damit erklärt, welche Briefe einzuwerfen erlaubt waren und welche am Postschalter aufgegeben werden mussten. Briefe an das Königshaus, das heißt an den König selbst und die Familienmitglieder, so wie Ministern, konnten nur am Schalter versendet werden. Post ins Ausland und unfrankierte Post durfte ebenfalls nicht in den Briefkasten eingeworfen werden. Ganz typisch für die preußische Zeit, in der alles seine Ordnung haben musste.

1830 folgten Württemberg und Bayern dem Beispiel und führten ebenfalls Briefkästen ein. Sie hatten Angst vor Diebstahl und montierten nur innerhalb der Poststation Briefkästen. Durch in die Mauer geschlagene Einwurfschlitze konnten die Bürger von außen ihre Post einwerfen, die innen sicher aufgehoben war. Diese Kästen waren einfache aus Holz und Metall hergestellte Kästen. In Russland hatte man mit leichten Außenbriefkästen angefangen. Sie wurden aus Holz und Eisen in Leichtbauweise gebaut, worüber sich die Diebe sehr freuten. Danach baue man in Russland nur noch Briefkästen aus Gusseisen. Erst 1845 bekam man so viel Vertrauen, um Außenbriefkästen in Preußen zu montieren.

Bayrische Briefmarken als Vorbild für Preußen

Die Bayern waren die Vorreiter bei der Frankierung der Briefe. Am 01. November 1849 wurde die erste Briefmarke Deutschlands in Bayern eingeführt. Der "Schwarze Einser" war ein Vorschlag des Oberpostamtes München. Die Preußen wollten dem in nichts nachstehen und führten ein Jahr später am 15. November 1850 eine Briefmarke mit dem Porträt des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. ein.

Der Sammelbriefkasten veränderte sich im 19. Jahrhundert noch zu einem Wandbriefkasten mit Bodenklappe und Satteltaschen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Säulenbriefkästen an öffentlichen Plätzen aufgestellt. In die kunstvoll verzierten Säulen aus Gusseisen konnte jeder seine Briefe einwerfen. Dieses Konzept hielt sich nur bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Die Briefkästen waren zu dieser Zeit alle einheitlich blau gestrichen. Die Württemberger und Bayern hatten jedoch die Erlaubnis auch andere Farben zu verwenden. 1930 wechselte man von Holz zu Stahlblech als Material. 1934 wurden dann alle Postkästen einheitlich rot gestrichen. Postkästen aus Gusseisen kamen ebenfalls zum Einsatz. Sie wurden bevorzugt als Außenbriefkästen verwendet. Sie waren mit rund 45 Kilogramm zu schwer, um gestohlen zu werden. Seit 1945 werden alle öffentlich zugänglichen Sammelbriefkästen einheitlich gelb gestrichen.

Postzustellung bis zur Haustür: Das Zeitalter des Hausbriefkastens

Der Briefkasten in Preußen diente der "Bequemlichkeit des Beamten". Die Bequemlichkeit des Empfängers kam erst sehr viel später. Zulasten der Bequemlichkeit des Postboten, der zu Anfang die Briefe in den Postschlitz der Wohnungstür einwerfen musste. Es war ein ungemeiner Zeitaufwand, nicht nur ins Haus zu kommen, sondern auch noch von Wohnung zu Wohnung gehen zu müssen, um die Briefe zuzustellen.

Die Briefkastenanlage war daher ein naheliegender Gedanke, um den Postboten zu vor zu vielen Treppen und endlosen überflüssigen Stunden zu schonen. Die Deutsche Post erkannte das Einsparungspotenzial schnell und versuchte die Umsetzung von 1940 bis 1970 mit einem Zuschuss zu fördern. Jeder, der die Briefkästen im Eingangsbereich im Erdgeschoss installierte, bekam 10 Deutsche Mark Zuschuss pro Briefkasten. Häufig war es erst mal nur eine Sammlung verschiedener einzelner Briefkästen, die im Treppenhaus aufgehängt wurden. Im Laufe der Zeit hielt die Briefkastenanlage Einzug in die meisten Häuser. In vielen Fällen auch im Außenbereich an der Haustür. Das hat den Vorteil, dass der Postbote das Haus gar nicht mehr betreten muss.

Die Briefkastenhersteller: Von der Tradition bis in die Moderne

Die Hersteller für Hausbriefkästen entwickelten sich seit dem frühen 20. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Viele Briefkastenhersteller sind Traditionsunternehmen aus der Zeit der Einführung des Briefkastens. Der Zweite Weltkrieg zwang zur Veränderung und Anpassung in der Produktion. Gab es zuvor Briefkästen aus Stahl, so wechselte man aus Gründen des Mangels an Eisen und Stahl zu Aluminium. Teilweise konnte bis zum Ende der 40er Jahre gar nicht mehr produziert werden.

Briefkastenanlagen im 21. Jahrhundert

Wer heute einen Briefkasten benötigt hat die Qual der Wahl. Für Einfamilienhäuser gibt es Briefkästen aller Formen, Materialien und Größen zur Wandmontage oder mit Fuß. An einem Gestell frei stehend am Eingang des Grundstückes oder für große Grundstücke an der Straße. Mit Zeitungsrolle oder ohne. Aluminium, Stahl und Gusseisen sind heute noch die beliebten Materialien, aber auch Kunststoff kommt zum Einsatz.

Briefkastenanlagen gibt es für Zweifamilienhäuser oder riesige Wohnblöcke. Außen kombiniert mit Klingeln und Freisprechern. Für den gewerblichen Bereich aller Art, auch mit Paketkästen. Außen aufgebaut, auf Stelen, an die Wand montiert. Aufputz, Unterputz oder als Mauerdurchwurf. Mit Zylinderschlössern werden sie geschützt vor unerwünschtem Zugriff. Das persönliche ästhetische Empfinden und die Nutzung der Briefkastenanlage sind wohl die entscheidenden Faktoren für die Anschaffung. Eines haben nämlich alle Briefkästen gemeinsam. Genauso wie ihre historischen Vorgänger, empfangen die modernen Briefkastenanlagen die persönlichen Nachrichten aus aller Welt für ihre Besitzer ganz traditionell.